23.03.2020 Fastenzeit beginnt - Der erste ERFAHRUNGSBERICHT zur Fastenzeit

Ich habe eine Katze. Genauer gesagt ist das ein Kater, er heißt Moses („Mo“). Ersieht kuschelig und ganz süß aus. Allerdings täuscht sein hübscher Anblick manchmal, denn er kann sehr verzogen, eigenwillig und besitzergreifend sein. Dann habe ich keine Chance. Was soll ich zu meiner Entschuldigung sagen? Er ist halt mein „Einzelkater“ und ich tue alles für ihn. 

 

Deshalb belegt auch sein Katzenklo das halbe Bad, seine Menütassen das Drittel der Küche, sein Kratzbaum die beste Ecke des Wohnzimmers. Dann hat er es angenehm und wir können gut miteinander leben. Im Kratzbaum ist viel Spielzeug gelagert, damit er sich nicht langweilt, wenn ich auf der Arbeit bin und das kann schon mal länger dauern. Nun ist aber leider die Corona-Epidemie ausgebrochen und ich habe Home-Office. Also begleite ich meinen Kleinen durch den Tag.

 

Gleichzeitig startet die dreiwöchige Fastenphase vor Ostern. Und ja, ich habe mir wie so oft sehr viel vorgenommen, was ich alles machen möchte oder auch nicht mehr machen möchte. Dieser Drei-Wochen-Blog ist eines dieser Vorhaben, so beabsichtige ich diesen Lebensabschnitt festzuhalten. Andere Punkte werde ich peau-a-peau mitteilen. Ich erlebe Gott nämlich oft im Alltagsgeschehen, und das war heute auch der Fall.

 

Also schwenken wir den Blick zurück zu meinem kleinen Mitbewohner. Ich habe in dem Kratzbaum gewühlt und ein Wollknäuel von der „Katzenoma“ gefunden. Das ist eines seiner Lieblingsspielzeuge. Durch das permanente Spielen hat es sich mittlerweile zu einem schönen rosarnen Wollfaden durcheinander verwandelt, das mit anderen Fäden, Haaren (iiih), Staub (jaja, sagt nichts) und sogar einem Klettverschluss einen Chaosberg bildet, der sich irgendwie auch mit dem Kratzbaum so sehr verfangen hat, dass er davon nicht eben mal zu lösen ist. Mo spielt natürlich nicht mehr damit, rollt ja nicht. Auseinanderfrickeln kann er das nicht selbst. Also war es an der Zeit, dass ich ihm helfe, sein Chaos zu beseitigen. Ich habe mich an den Kratzbaum gesetzt und habe angefangen, dieses Fadenwirrwar zu entzerren und neu aufzuwickeln.

 

Mit den Gedanken an die Fastenzeit, wo ich Gott näher kommen möchte, habe ich dieses „Etwas“ also in den Händen gehalten. Sofort kam mir der Gedanke, das könnte für mein derzeitiges geistiges Leben stehen. Es ist ein wildes Durcheinander. Es ist kein Wollknäuel, der rollt. Es ist ein Wirrwarr von allem was auf dem Boden lag und mit der Zeit mitaufgewickelt wurde. Eine Masse, die ein Selbstläufer wurde und dann liegen gelassen wurde. Niemand kann das Originalprodukt wiedererkennen außer ich oder Mo.

 

Zuerst kam der Klettverschluss, ich dachte, der zerreißt alle Fäden, weil er sich so stark an alles ge“klettet“ hat. Das Abziehen war laut und die Fäden haben dadurch an Stabilität verloren. Sie sahen labbrig und ausgefranst aus. Zudem hat das echt lange gedauert. Aber es musste der erste Schritt sein, da man ansonsten nicht das Start-Schluss-Fädchen gefunden hätte. Als das erledigt war, habe ich angefangen aufzuwickeln. Mühsam, lang. Ich saß ja so unbequem vor diesem Kratzbaum. Irgendwann war das erste Lasso um den Kratzbaum dran. War schön. Ich meinte, es war NICHT schön. Denn, was ich oben nicht erwähnt habe ist, dass der Kratzbaum für Mo sein Eigentum ist. Das bedeutet, dass wenn man näher kommt oder gar dran geht, dann kommt er SOFORT hergelaufen, klettert hinauf und beißt dich in die Flucht. Es ist sein Terrain. Alles was da ist, gehört ihm. Also stand er da wie ein Löwe und hat es mutig verteidigt. Ich hatte keine Chance weiter zu machen. Für den Augenblick war es das also.

 

Dieser Klettverschluss ist wie ein Startschuss gewesen, der ist laut, rigoros, muss ab. Also starte ich heute kompromisslos! Einfach machen. Und ich stelle fest, es ist eine Seite entstanden. Aber bin ich Gott dadurch näher gekommen? Wie wird das Entwirren (Analyse, was läuft eigentlich falsch, was fehlt bisher vielleicht, was hält mich auf?) und das Aufwickeln (neue Erkenntnisse und Offenbarungen, Lösungswege, Mind Renewing) funktionieren? Das wird in Abschnitten geschehen. Es wird mal ruhig laufen, mal werde ich das sicher nicht gut finden, wenn sich Gott höchstpersönlich auf mein Terrain begibt und ich den noch traurigen Status Quo mit allem verteidigen werde. Ich kann eben nicht alles selbst auseinanderfrickeln. Aber es wird der Moment kommen, dass

es weiter geht. Hauptsache, ich erfülle meinen Part. Ja, ich will, dass meine Beziehung zu Gott rollt. Und sie soll auch schön aussehen, also für andere sichtbar. Aber nicht nur das, ich will mich damit auch aktiv auseinandersetzen, mich damit beschäftigen, Freude damit haben. Also begebe ich mich später in die Tiefe und berichte wie ich in den Spiegel geschaut habe (Jakobusbrief 1:22-25).